Nachfolge ohne Thronfolger – Rettet Demokratisierung Tausende von KMUs?

by Ralph Höfliger

Nachfolge ohne Thronfolger – Rettet Demokratisierung Tausende von KMUs?

by Ralph Höfliger

by Ralph Höfliger

Gemäss einer Studie* der Hochschule St. Gallen müssen 70’000 KMU’s in der Schweiz in den nächsten 5 Jahren die Nachfolge regeln. Statistisch gesehen scheitern 40% der Nachfolge-Lösungen. 400’000 Jobs sind gefährdet.

Eine besondere Herausforderung dabei ist diejenige Nachfolgesituation, wo kein Thronfolger in Sicht ist: Kein Sohn, keine Tochter, niemand aus familiären Umfeld und niemand aus dem eigenen Betrieb, der geeignet wäre, die Firma weiter zu führen. Statistisch gesehen sind diese KMU’s dem Untergang geweiht: nur noch wenige sind erfahrungsgemäss in der zweiten Folge-Generation noch existent.

Eine vielversprechende Lösung für diese enorme Herausforderung heisst Demokratisierung der Firma: Die Mitarbeitenden übernehmen den Betrieb vom Patron in kollektiver Selbstführung. Was im ersten Moment als undenkbar und utopisch erscheint, wird plötzlich sehr realistisch, wenn man den Prozess der Demokratisierung und Erfolgsbeispiele genauer analysiert.

Demokratisierung einer Firma bedeutet, dass die Mitarbeitenden nicht nur die Aufgabe haben, ihren Job zu erledigen, sondern zusätzlich auch das Recht, die Pflicht und die Mittel erhalten, fortlaufend das System, in dem sie arbeiten, weiter zu entwickeln und zu optimieren. Gerade in der Schweiz sind wir prädestiniert für diesen Prozess, kennen wir ihn doch schon seit über 170 Jahren und erkennen immer mehr dessen Vorzüge in einer globalisierten Welt: Die Schweiz steht heute in über 14 Metriken an oder nahe der Weltspitze, u.a. in Sicherheit, Wohlstand, Wirtschaftskraft und Innovationsfähigkeit.

Demokratisierung als Nachfolgelösung ist eine aussergewöhnliche Win-Win Situation für alle: Der Patron bzw. die bisherigen Inhaber profitieren, weil das Unternehmen weiter lebt, Gewinn erwirtschaftet und dadurch ein fairer Übernahmepreis erzielt werden kann. Die Mitarbeitenden profitieren, weil sie nicht nur ihren Job behalten, sondern dieser sogar bereichert wird, und sie ihn und die Zukunft des Unternehmens aktiv mitgestalten können. Und selbstredend profitieren auch Kunden und Lieferanten, Staat und Gesellschaft vom Weiterbestehen der Firma.

Zudem unterstützt Demokratisierung zwei weitere grosse Herausforderungen, in denen fast jedes KMU heute steht: Fachkräftemangel und Umgang mit Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (VUCA): Demokratisierung erlaubt einerseits den Mitarbeitenden, ihren Arbeitsplatz selbst aktiv mitzugestalten. Dies führt zu attraktiveren Jobs, was wiederum zu mehr Spass und Sinnerfüllung in der Arbeit führt, was gerade für die junge Generation Y äusserst attraktiv ist. Andererseits werden die Mitarbeitenden selbst zu Innovatoren und Change Agents, was die Organisation anpassungsfähig, innovativ, agil und resilient macht. Die Mitverantwortung erhöht ausserdem die Verbundenheit und Identifikation mit der Firma, was wiederum Engagement und Produktivität erhöht. Dies sind in der heutigen Zeit wesentliche existenzsichernde Erfolgsfaktoren.

Wie übergibt man die Firma den Mitarbeitenden? Am zielführendsten ist ein Vorgehen, in welchem die Mitarbeitenden Schritt für Schritt befähigt werden, Verantwortung zu übernehmen. Der bisherige Patron vereinigt in sich i.d.R. verschiedenste Rollen, von Akquisition, Projektmanagement, Finanzen, Personal,  über Organisation und Infrastruktur, bis hin zu Konfliktlösung. Diese einzelnen Rollen und damit verbundenen Aufgaben sind zu analysieren, in Verantwortungsbereiche und Rollen zu kleiden und schrittweise den Mitarbeitenden zu übergeben.

Für den Patron heisst dies, sich vom Entscheider zum Coach zu transformieren: Statt zu sagen «So machen wir das!» fragt er: «Was schlägst du vor? Warum? Hast du dieses und jenes in deine Überlegungen miteinbezogen? …».

Für die Organisationsstruktur bedeutet es, die Verantwortungsgebiete sehr klar zu definieren: Damit die Mitarbeitenden Verantwortung übernehmen können, muss ihnen klar sein, in welchem Rahmen sie frei entscheiden können. Analog der ineinander geschachtelte Kreise von Bund, Kantonen und Gemeinden in der Schweiz, wird die Firma in ineinander geschachtelte Kreise und Rollen gegliedert. Diesen werden wohl definierte Verantwortlichkeiten zugeordnet, mit klaren Aufträgen, zur Verfügung stehenden Ressourcen und Rahmenbedingungen innerhalb derer sie mit hoher Autonomie und trotzdem aufeinander abgestimmt agieren.

Grundsätzlich gilt bei Demokratisierung: Der Weg ist das Ziel. Die Mitarbeitenden übernehmen auch Schritt für Schritt Verantwortung für den eigenen Transformationsprozess. Als Königsweg bewährt sich die frühzeitige Einführung der „Initiative“: Wenn du eine Chance siehst, etwas zu verbessern, ergreife die Initiative und lege einen Lösungsvorschlag vor! Wird dieser Initiativprozess mit entsprechenden Abstimmungsverfahren sorgfältig eingeführt, steigt bei allen Mitarbeitenden automatisch das Bewusstsein und die Verantwortung für den Erfolg der Firma, und sie übernehmen Schritt für Schritt vom Patron die Führung, bis er schliesslich ganz zurück tritt. Je nach Möglichkeit übernehmen dann die Mitarbeitenden die Firma auch finanziell ganz oder teilweise und betreiben und entwickeln sie in kollektiver Führung selbstorganisiert weiter.

Erfahrungsgemäss dauert dieser Prozess zwei bis drei Jahre. Ein frühzeitiger Check ob dies eine Lösung für die Nachfolge sein könnte und eine entsprechend vorausschauende Planung ist deshalb von grossem Vorteil. Sind Sie Unternehmer und wollen Ihre Nachfolge planen? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!

6. September 2019, Ralph Höfliger

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